Der Stammbaum der Schleifen

In den Kleiderschränken der Herren des Landes findet man sie zuhauf: die alten, kitschigen Krawatten des vergangenen Jahrtausends. Große Paisleymuster, bunte Streifen, die abstraktesten Motive. Vor der Brust kann Mann das heute nicht mehr tragen. Doch wegwerfen? Nein, zu viel Nostalgie löst das aus. Aber was dann? Hier hilft der Spruch "weniger ist mehr" weiter. Dezent am Kragen angebracht ist der große Schlips ein echter Hingucker - im (mathematisch) positiven Sinn, denn um 90 Grad gedreht und mit der entsprechenden Vorbehandlung  wird aus dem Mottenfänger eine einzigartige Schleife für den Gentleman des 21. Jahrhunderts.

Krawatten umarbeiten lassen

Eine Krawatte umarbeiten lassen. Oder auch zwei. Und dann noch mit einem anderen Muster aus dem Shop kombinieren. Oder zweimal die gleiche Schleife bekommen, weil man zwei breite Krawatten miteinander kombiniert. Der Fantasie sind offenbar keine Grenzen gesetzt. Aber bei all den zur Verfügung stehenden Kombinationen kann man auch schon einmal durcheinander kommen. Deshalb erklären wir hier, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, breite und schmale Krawatten miteinander zu Schleifen zu kombinieren.

Der Weg aus dem Schrank über ReTied zurück ins Rampenlicht ist einfacher als man denkt, doch auf dem Weg selbst kann die Krawatte viele Abzweigungen nehmen.

Welchen Weg die Krawatte nehmen wird, hängt also davon ab, ob sie breit oder schmal ist. Als breit kann man sie bezeichnen, wenn sie an der breitesten Stelle etwa 7 cm misst. Einen genauen Wert kann man allerdings nicht angeben, denn wirklich relevant ist die Breite im geöffneten Zustand, also nachdem alle Nähte aufgetrennt und der Stoff geglättet wurde. Und diese ist bei den meisten Krawatten unterschiedlich. 

 

Einer breiten Krawatte steht die Wahl frei, ob sie ihr Dasein künftig an der Seite einer zweiten Krawatte fristen wird oder nicht. Wohingegen eine schmale zwangsläufig als Wendeschleife enden wird. 

Die breite Krawatte

Gehen wir also zunächst auf die Möglichkeiten ein, die sich einer breiten Krawatte bieten. Der einfachste Weg, eine Schleife aus ihr zu machen, ist... genau, eine Schleife aus ihr zu machen. Denn sie liefert genug Stoff, um sie ohne Hinzufügen einer zweiten Krawatte umzuarbeiten. Das Ergebnis ist dann ein Selbstbinder, der auf Vorder- und Rückseite das gleiche Muster trägt.

Der allseits bekannte Klassiker


Gut zu sehen: Zwei verschiedene Seiten

Möchte man trotzdem eine Zwei-In-Eins-Schleife, dann gibt es diese nur in doppelter Ausführung. Jede Schleife besteht aus vier Teilen. Linker und rechter Vorderseite sowie linker und rechter Rückseite. Eine breite Krawatte liefert Stoff für alle vier benötigten Stücke. Um Stoffreste zu vermeiden, wird eine breite Krawatte deshalb nur zusammen mit einer weiteren breiten Krawatte zu zwei gleichen Wendeschleifen verarbeitet.


Das zweite Muster kann entweder mitgeschickt werden oder im Shop ausgewählt werden. In beiden Fällen ist unbedingt anzugeben, dass man Wendeschleifen haben möchte! Ansonsten werden aus den beiden breiten Krawatten zwei normale Schleifen.

Die schmale Krawatte

Während breite Krawatten es auch ohne einen Partner zurück ans Hemd schaffen, können schmale Krawatten dem Träger nur zu zweit an den Kragen gehen. Findet man also eine schmale Krawatte in den Tiefen des Schrankes und möchte ihr wieder einen Platz weiter Richtung Sonne geben, dann sollte man doch noch einmal graben, um möglichst noch eine zweite zu finden. Lässt sich diese nicht auftreiben, besteht die Möglichkeit, die eigene Krawatte mit einem schmalen Stoff aus dem Shop zu kombinieren.

 

Eine Schleife besteht, wie wir nun wissen, aus vier Einzelteilen. Schmale Krawatten bieten nur Stoff für zwei Einzelteile, weshalb man sie mit einer zweiten auf vier Teile ergänzen muss. Auch hier gilt wieder: um Stoffreste zu vermeiden, können nur zwei schmale Stoffe kombiniert werden. Denn wer zwei und zwei zusammenzählt, der kommt schnell auf die benötigten vier Teile.

Mathe brauch ich sowieso nie wieder...

Jeder der sich das in der Schule gedacht hat, wird sich nun ärgern. Es gibt natürlich noch zahllose weitere Möglichkeiten breite und schmale Krawatten miteinander zu kombinieren. Doch diese hier alle aufzuzählen und zu beschreiben würde ausschließlich zu Verwirrung führen. Doch wer Gefallen an Wendeschleifen findet, der kann nach der einfachen Regel "Vier Teile ergeben eine Schleife" seine eigenen Krawatten und Shop-Muster, egal ob breit oder schmal, nach Lust und Laune zusammen kombinieren. Dem aufmerksamen Leser wird die Wiederholung des Satzes "um Stoffreste zu vermeiden" aufgefallen sein. Zum Beispiel: Eine breite und eine schmale Krawatte liefern zusammen sechs Einzelteile. Vier werden für eine Schleife benötigt. Bleiben somit zwei Stücke als vermeintlich unverwertbarer Rest. Was nun aber, wenn man noch eine weitere schmale Krawatte hinzufügt? Dann kommen wieder zwei Stoffteile hinzu und es ergeben sich insgesamt acht Teile, genug also für zwei Schleifen. Das lässt sich für eine beliebig große Zahl an Schleifen erweitern. Zum Schluss sind deshalb noch einmal sämtliche Varianten dargestellt, die es gibt, zwei beliebige Krawatten zu kombinieren. Zusätzlich die Möglichkeiten, den entstandenen Stoffrest durch Hinzufügen einer weiteren Krawatte zu verwenden. Achtung, nichts für schwache Gemüter!

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